119 Meter · Wahrzeichen · Kulturdenkmal
Das Maritim-Hochhaus
Kaum ein Bau teilt Travemünde so wie das Maritim: ein 119 Meter hoher Beton-Turm von 1974, für die einen ein Klotz, für die anderen das Wahrzeichen schlechthin. Er trägt das höchste Leuchtfeuer Europas, steht seit 2019 unter Denkmalschutz – und war einst ein bewusstes Zeichen im Kalten Krieg. Diese Seite erzählt die Geschichte hinter der Silhouette.
Das Maritim in Zahlen
- 119 m Höhe (mit Masten 125 m)
- 36 Etagen
- 1974 fertiggestellt
- 114 m Feuerhöhe des Leuchtfeuers
Ein Leuchtturm des Kalten Krieges
Als Kulturdenkmal wurde das Maritim im Juli 2019 von der Hansestadt Lübeck geschützt – und die Begründung erzählt die eigentliche Geschichte: Das Hochhaus sei nicht nur städtebaulich markant, sondern „ein reales und symbolisches Leuchtfeuer des freien Westens". Denn es entstand in Sichtweite der innerdeutschen Grenze, die über die Ostspitze des Priwalls verlief. Als die DDR 1971 in Warnemünde das moderne Hotel Neptun eröffnete, antwortete der Westen mit einem noch höheren Zeichen an der Trave-Mündung: dem Maritim. So wurde aus einem Hotelturm ein Politikum – Systemwettbewerb, in Beton gegossen.
Das höchste Leuchtfeuer Europas
Seit 1974 trägt das Maritim das Seefeuer für die Travemünder Hafeneinfahrt – auf 114 Metern Höhe, was als höchstes Leuchtfeuer Europas gilt. Es übernahm die Aufgabe vom Alten Leuchtturm von 1539, der zwei Jahre zuvor außer Dienst ging, weil der neue Turm ihm buchstäblich die Sicht nahm. So stehen in Travemünde der älteste erhaltene Leuchtturm Deutschlands und sein moderner Nachfolger dicht beieinander – ein Bild, das den Ort prägt.
Klotz oder Wahrzeichen?
Schön findet das Maritim nicht jeder. Für Kritiker ist der Betonturm die „Bausünde der 70er", ein Fremdkörper über dem Seebad; für andere ist genau er das unverwechselbare Wahrzeichen, an dem man Travemünde schon von der Bahn aus erkennt. Die Denkmalpflege hat die Debatte entschieden: Der Turm ist als Zeugnis seiner Zeit schützenswert – samt der Innenausstattung im Stil der 1970er Jahre. Seit der Unterschutzstellung muss jede Sanierung mit der Denkmalbehörde abgestimmt werden, was Umbauten aufwendiger macht.
Was heute drinsteckt
Der Turm ist mehr als ein Hotel: In den unteren Etagen liegt das Maritim Strandhotel, darüber rund 320 Eigentumswohnungen, dazu Läden, Restaurants, ein Hallenbad und eine Tiefgarage. Ganz oben lohnt der Blick – von der Bar in den Obergeschossen reicht er bei klarem Wetter weit über die Lübecker Bucht und den Priwall.
Häufige Fragen zum Maritim-Hochhaus
Wie hoch ist das Maritim-Hochhaus in Travemünde?
Das Maritim ist 119 Meter hoch (mit den Funkmasten auf dem Dach 125 Meter) und hat 36 Etagen. Es wurde 1974 fertiggestellt und ist das Wahrzeichen Travemündes.
Warum steht das Maritim unter Denkmalschutz?
Die Hansestadt Lübeck stellte das Hochhaus im Juli 2019 unter Schutz – wegen seines städtebaulichen Werts, der Innenausstattung im 70er-Stil und weil es als „reales und symbolisches Leuchtfeuer des freien Westens" an der ehemaligen Zonengrenze gilt.
Was hat das Maritim mit der DDR-Grenze zu tun?
Das Hochhaus entstand in Sichtweite der innerdeutschen Grenze am Priwall. Als die DDR 1971 in Warnemünde das Hotel Neptun eröffnete, antwortete der Westen mit dem noch höheren Maritim – ein Zeichen im Systemwettbewerb des Kalten Krieges.
Sitzt das Leuchtfeuer wirklich auf dem Hochhaus?
Ja. Seit 1974 trägt das Maritim auf 114 Metern das Seefeuer für die Hafeneinfahrt – es gilt als höchstes Leuchtfeuer Europas. Es löste den Alten Leuchtturm von 1539 ab, dem der Neubau die Sicht nahm.
Lichter der Nacht – wer blinkt da wie?
Jedes Leuchtfeuer hat eine eigene „Kennung" – seinen unverwechselbaren Rhythmus aus Licht und Dunkel, an dem Seeleute es nachts erkennen. Das sind die Feuer der Travemünder Ansteuerung, mit ihren echten Kennungen aus dem Seezeichen-Bestand:
- Travemünde Fl Blitzfeuer mit roten und weißen Sektoren, alle 4 Sekunden Das Hauptfeuer der Ansteuerung – seit 1974 auf dem Dach des Maritim-Hochhauses in 116 Metern Höhe, Deutschlands höchstgelegenes Leuchtfeuer.
- Travemünde, N-Mole Oc unterbrochenes Feuer mit roten und grünen Sektoren, alle 4 Sekunden Das Hauptfeuer der Ansteuerung – seit 1974 auf dem Dach des Maritim-Hochhauses in 116 Metern Höhe, Deutschlands höchstgelegenes Leuchtfeuer.
- Priwall Oberfeuer Oc weißes unterbrochenes Feuer, 2 Unterbrechungen alle 9 Sekunden Richtfeuer-Paar auf dem Priwall: Wer beide Feuer übereinander sieht, liegt genau in der Fahrrinne.
- Priwall Unterfeuer Oc weißes unterbrochenes Feuer, 2 Unterbrechungen alle 9 Sekunden Der untere Partner des Richtfeuer-Paars.
- Oberfeuer Siechenbucht Oc weißes unterbrochenes Feuer, alle 4 Sekunden Zweites Richtfeuer-Paar für den inneren Travebogen an der Siechenbucht.
- Unterfeuer Siechenbucht Oc weißes unterbrochenes Feuer, alle 4 Sekunden Der untere Partner an der Siechenbucht.
Und der Alte Leuchtturm? Der ist seit 1974 dunkel: Als das Maritim-Hochhaus ihm die Sicht nahm, wanderte sein Feuer auf dessen Dach. Deutschlands ältester Leuchtturm (1539) steht seither als Museum – und sein Nachfolger blinkt vom Hoteldach.