Historische Ansicht von Travemünde (1822)

Preußische Landesaufnahme 1878 ↔ Luftbild heute

Travemünde damals und heute

Drei Ausschnitte, ein Griff: Die amtlichen Blätter der Preußischen Landesaufnahme von 1878–1880 liegen hier deckungsgleich über dem heutigen Luftbild der Landesvermessung. Am Brodtener Steilufer wird dabei sichtbar, was sonst nur eine Zahl ist: Bei 50 bis 100 Zentimetern Rückgang pro Jahr liegt die Uferkante von 1878 heute rechnerisch 74 bis 148 Meter weit draußen – im Wasser.

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Ortskern und Priwall: das Seebad von 1878

Schon das Blatt von 1878 zeigt die Fähre an der Vorderreihe – exakt dort, wo die Priwallfähre bis heute ablegt – sowie „Seebad" und „Seepavillon" am Strand und eine „Rennbahn" auf dem Priwall. Der Vergleich mit dem Luftbild zeigt, wie das Seebad um Promenade und Kurgebiet gewachsen ist, während das Straßengerüst der Vorderreihe seit fast 150 Jahren dasselbe geblieben ist.

Aktuelles Luftbild desselben Ausschnitts: Ortskern, Trave und Priwall
Derselbe Ausschnitt im heutigen amtlichen Luftbild DOP20 (© GeoBasis-DE/LVermGeo SH).
Karte von 1878: Travemünder Ortskern, Trave und Priwall mit Fähre, Seebad und Rennbahn
Preußische Landesaufnahme 1878–1880: Travemünde mit Fähre an der Vorderreihe, Seebad und Rennbahn auf dem Priwall (© GeoBasis-DE/LVermGeo SH, CC BY 4.0).

Brodtener Steilufer: die Küste von 1878 liegt im Wasser

Das Brodtener Steilufer weicht 50 bis 100 Zentimeter pro Jahr zurück. Seit der Landesaufnahme von 1878 sind das rechnerisch 74 bis 148 Meter: Die auf dem alten Blatt verzeichnete Uferkante liegt heute weit draußen in der Lübecker Bucht. Der Schieber macht die stärkste Kraft dieser Küste sichtbar – die Abrasion, die das Ufer Jahr für Jahr landeinwärts verschiebt und dabei den Sand für die Strände der Nachbarorte liefert.

Aktuelles Luftbild des Brodtener Steilufers
Das Brodtener Steilufer im heutigen Luftbild DOP20 – die Kante von 1878 läge weit draußen im Wasser (© GeoBasis-DE/LVermGeo SH).
Karte von 1878: das Brodtener Ufer mit der damaligen Küstenlinie
Preußische Landesaufnahme 1878–1880: das Brodtener Ufer mit der damaligen Uferkante (© GeoBasis-DE/LVermGeo SH, CC BY 4.0).

Pötenitzer Wiek: wo später die Grenze verlief

Auf dem Blatt von 1878 ist die Pötenitzer Wiek einfach eine stille Bucht zwischen Priwall und dem mecklenburgischen Ufer. Erst im 20. Jahrhundert wurde genau hier Geschichte geschrieben: Von 1945 bis 1990 verlief an der Priwall-Ostspitze die innerdeutsche Grenze – der Strand endete am Zaun. Heute ist die Ostspitze Naturschutzgebiet, und die Wiek gehört wieder Seglern und Seeadlern.

Aktuelles Luftbild von Pötenitzer Wiek und Priwall-Ostspitze
Pötenitzer Wiek und Priwall-Ostspitze im heutigen Luftbild DOP20; an der Ostspitze verlief 1945–1990 die innerdeutsche Grenze (© GeoBasis-DE/LVermGeo SH).
Karte von 1878: Pötenitzer Wiek und Priwall-Ostspitze
Preußische Landesaufnahme 1878–1880: Pötenitzer Wiek und die Ostspitze des Priwalls (© GeoBasis-DE/LVermGeo SH, CC BY 4.0).

Karte: Preußische Landesaufnahme 1878–1880, © GeoBasis-DE/LVermGeo SH, CC BY 4.0 · Luftbild: DOP20, © GeoBasis-DE/LVermGeo SH (offene Geobasisdaten)

geprüft am 18. Juli 2026

Häufige Fragen zu den historischen Karten

Wie sah Travemünde um 1880 aus?

Die Preußische Landesaufnahme von 1878–1880 zeigt ein kompaktes Seebad: die Vorderreihe mit der Fähre zum Priwall, „Seebad" und „Seepavillon" am Strand, eine Rennbahn auf dem sonst fast leeren Priwall – und viel unbebautes Land, wo heute Promenade und Kurgebiet stehen. Der Schieber auf dieser Seite legt das Blatt direkt übers heutige Luftbild.

Wie viel Land hat das Brodtener Steilufer seit 1878 verloren?

Bei den belegten 50 bis 100 Zentimetern Rückgang pro Jahr ergeben sich seit der Landesaufnahme von 1878 rechnerisch 74 bis 148 Meter. Es ist eine Rechenspanne aus der langjährigen Rückgangsrate, keine Einzelmessung – die Größenordnung macht der Kartenvergleich sichtbar.

Woher stammen die alten Karten und darf man sie nutzen?

Die Blätter stammen aus der Preußischen Landesaufnahme (Chronologen-Kartenwerk 1878–1950) des Landesamts für Vermessung und Geoinformation Schleswig-Holstein und stehen unter CC BY 4.0 – sie dürfen mit Namensnennung frei genutzt werden. Das heutige Vergleichsbild ist das amtliche Orthophoto DOP20 aus den offenen Geobasisdaten.

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